„Höfe haben eine dienende Funktion“

Mit überarbeitetem Konzept beginnt die Sanierung von Lutherhof und Leuthöfle in der St. Anna Kirche im November

Bauherren kennen das: alles ist geplant, die Finanzierung steht, doch mit Baubeginn stellt sich heraus, dass die Gegebenheiten vor Ort ganz anders sind. Dieses Schicksaal hat auch die St. Anna Gemeinde ereilt. Sie will die beiden Innenhöfe ihrer Kirche sanieren. Studenten der Hochschule Augsburg hatten im Frühjahr 2016 Gestaltungsvorschläge für Lutherhof und Leuthöfle entwickelt. Ein Landschaftsarchitekt wurde mit der Überarbeitung und Umsetzung beauftragt. Die Denkmalpflege stimmte den Plänen zu. Die Finanzierung stand. Im Frühjahr 2017 sollten die Bauarbeiten beginnen. Doch dann kam alles anders.

Die Kanalisation macht Probleme

Bei den Vorbereitungen stellte sich heraus, dass die Kanalisation in wesentlich schlechterem Zustand war, als vermutet. „Das ist keine Kanalsanierung mehr, sondern eine Kanalerneuerung“, bedauert Pfarrer Thomas Hegner, denn der Mehraufwand verursacht deutlich höhere Kosten. 

Das zwang die Kirchengemeinde, Einsparungen vorzunehmen und ihr Konzept noch einmal zu überdenken. Dieser Verzögerung kann Pfarrer Hegner aber auch etwas Positives abgewinnen: „Uns ist immer klarer geworden, dass weniger mehr ist. Die Höfe sollen ihre Schlichtheit noch stärker bewahren, als in den bisherigen Entwürfen. Als Kunstwerke sollen sie nicht mit der Kirche konkurrieren. Sie haben eine dienende Funktion.“

Der Lutherhof behält den Taubenbunnen

Dienen sollen sie Kirchengemeinde und Stadtgesellschaft als Ort zum Verweilen, zur Begegnung und Besinnung. Der vom Kreuzgang umgebene Lutherhof soll - wie bisher vorgesehen – mit Bänken, einem Baum und Brunnen gestaltet werden. Dazu wird nun auf Wunsch von Gemeindegliedern der Taubenbrunnen des Bildhauers Josef Lappe aus den 1960er-Jahren erhalten bleiben. Im Inneren bekommt der Hof Splitt, der mit Kalksteinpflaster umrahmt ist. Die Farben der Steine orientieren sich am historischen Farbkonzept des Hofes.

Auf einen Windfang will die Gemeinde aus Kostengründen verzichten. Zusätzlich sollen aber ein bis zwei weitere Öffnungen zum Kreuzgang der St. Anna Kirche entstehen, um an die ursprüngliche Gestaltung des Hofes im Inneren des einstigen Klosters anzuknüpfen.

Das Leuthöfle - ein halböffentlicher Ort

Das Leuthöfle soll - wie geplant - zu einer grünen Oase mit Sitzgelegenheiten werden. Es wird zur Annastraße hin das historisch vorhandene zweite Tor wieder erhalten und so zu einem halböffentlichen Raum werden: Tagsüber soll das Höfle zugänglich sein. Auch der Eingang zur St. Anna Kirche über die Goldschmiedekapelle wird so zu besonderen Anlässen wieder möglich. Festgemeinden soll das Leuthöfle als geschlossener Ort, beispielsweise für Empfänge nach Hochzeiten oder Taufen dienen.

Entgegen erster Entwürfe mit Treppen wird eine Rampe den Höhenunterschied ausgleichen. Das Höfle und der Zugang zur Kirche werden dadurch barrierefrei. Wie auch im Lutherhof wird die Gemeinde am Pflaster sparen. Verlegt wird Kalkstein, der im Gegensatz zum ursprünglich ausgewählten Material kostengünstiger ist.

Die Kosten steigen

Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 660.000 Euro. Trotz der Einsparungen liegen sie damit wegen der aufwändigen Kanalsanierung 130.000 Euro höher als veranschlagt. 450.000 Euro übernehmen gemeinsam die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern, die St. Anna Gemeinde und das Evangelisch-Lutherische Dekanat Augsburg. Die restlichen 210.000 Euro sollen über Spenden finanziert werden.

Die Freunde laden ein zu Benefizveranstlatungen

Dafür engagiert sich der Förderverein Freunde von St. Anna Augsburg e.V. Rund 100.000 Euro konnten bereits gesammelt werden.Weitere Einnahmen erhofft man sich über Benefizveranstaltungen wie den Weihnachtsmarkt „Engel, Stern und Apfelbrot“ oder das Musikkabarett „Radio Aktiv!“ mit André Hartmann am 13. Oktober um 20 Uhr im Augustanasaal (Im Annahof 4).

Spendenkonto
Freunde von St. Anna Augsburg
IBAN: DE70720501010030424915
Kreissparkasse Augsburg
www.freunde-st-anna-augsburg.de

Hintergrund
Die Höfe sind ein wesentlicher Teil der Gesamtanlage von Kirche und ehemaligem Karmeliterkloster. Ursprünglich dienten sie als Friedhof für die Mönche und die Familien der Stadt. Historisch haben sie immer auch den geistlichen Charakter des Ensembles geprägt. Der Lutherhof bildet den Innenhof des Kreuzganges und war früher nur den Mönchen zugänglich. Das Leuthöfle war während der Klosterzeit der Zugang der Bevölkerung zur Kirche.